The magical Interface – Figures, Rituals, and Objects in between

Konstantin Daniel Haensch 

Moderne Medienapparate, wie Smartphones und Tablet-Computer, kommunizieren. Sie projizieren, geben Töne oder Sprache von sich, können sich in einen beweglichen Zustand versetzen. Die künstlichen Oberflächen der Geräte sind durch Berührungen der Finger des menschlichen Benutzers ansteuerbar, ihre externen Glashüllen sind in der Lage, Gesten und komplexe taktile Muster zu erkennen und informationstechnisch zu verarbeiten. So entstehen Mensch- Maschine Dialoge, die sich, vermeintlich alle Fremdheit überwindend, in kürzester Zeit in der Benutzung normalisiert haben. Wie lässt sich die Wirkung dieser Medien erfassen? Woher kommt die Faszination (etymologisch: „die Verzauberung“), der Kult, der User auf der ganzen Welt in Hinblick auf die kleinen Devices und die sich umwebenden medialen Netze erfasst hat?

Es gibt eine lange Tradition, welche von Objekten mit solchen oder vergleichbaren Eigenschaften berichten kann. Der Beitrag gibt sich mit diesen Fragen auf die Suche nach den Vorläufern der Apparate in der Geschichte. Im „magischen Objekt“ von Fiktionen findet er eine große Ähnlichkeit zu den modernen Medienapparaten. Zauberspiegel, Kristallkugel, Zauberring. Die Objekte leuchten nicht nur, sondern sind – je nach Beispiel – mal bild- und schriftgebend (Display), mal dialogisch kommunizierend (Informationsverarbeitung, künstliche Intelligenz, Sprachverarbeitung), überwinden parasoziale Kommunikationskonventionen und werden zu gleichberechtigten Akteuren. Beispielhaft wird diese Analyse an Szenen aus dem Stummfilm Friedrich Wilhelm Murnaus, Faust – eine deutsche Volkssage (1926) und anderen Beispielen durchgeführt.

Es soll der medienarchäologische Versuch unternommen werden, diese magischen Objekte aus der fiktiven Narration in ihrem Kontext (Trithemius, Marlowe, Goethe) und den Nutzungs- und Aneignungsdynamiken der Benutzer möglichst dicht zu beschreiben (Geertz), in den jeweiligen geistesgeschichtlichen Ideen zu reflektieren (bspw.: Bruno) und sympathische, philosophisch-künstlerische Aspekte (Frazer über Wittgenstein und Agamben) zu montieren, sowie ausgesuchte Konzepte von erklärten Ding-Theorien (Simondon, Serres, Latour, Brown, Harman) auszusuchen, um ein besseres Verständnis für die Wirkung der modernen Interfaces erforschbar zu machen.

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Konstantin Daniel Haensch, MA publiziert Texte über kulturelle und mediale Phänomene, war Gründer im Tech-Sektor und arbeitet im Bereich Branding / PR.