Zones of Interaction – (Um)Wege zu einer Theorie des Interface

Sabine Wirth

Computerinterfaces lassen sich zunächst sehr breit als Benutzeranordnungen, als bestimmte ‚Zuhandenheiten’ des Mediums Computer begreifen. Zur Beschreibung medialer Anordnungen ist in der Medientheorie (den diversen Ansätzen von Baudry, Comolli, Foucault, Deleuze und anderen folgend) vielfach der Begriff des Dispositivs verwendet worden. Dessen psychoanalytischer ‚Ballast’ und der oft erfolgte Zuschnitt auf eine statische Betrachterpositionierung und Wahrnehmungsanordnung bergen jedoch eine Reihe von Problemen für eine mögliche Interface-Theorie. Entgegen einer allzu schnellen Überstülpung des Dispositivbegriffs soll in diesem Beitrag stattdessen versucht werden, Interfaces in ihrer performativen Medialität zu beschreiben: Interfaces fordern dazu auf, etwas zu tun, sie machen sichtbar, führen aus, stellen her, ermöglichen – ebenso wie sie verbergen, abgrenzen und verunmöglichen. Im Anschluss an Galloway lassen sie sich als „autonomous zones of interaction“ begreifen, die mehr als Prozesse und Effekte denn als Entitäten zu verstehen seien. Nach Galloway handelt es sich um Allegorien der Kontrolle, in denen sich auf differenzierte Weise Machtverhältnisse performieren. Im Anschluss daran lässt sich die Frage stellen, ob auf der Ebene der Interfaces eine Form von Instrumentalität für die Mediennutzung zentral wird, die im theoretischen Diskurs der 1990er Jahre bereits als überwunden galt. Der Begriff der Handhabung und Handhabbarmachung, der aus Heideggers Begrifflichkeiten heraus entwickelt und sowohl in der Technikphilosophie Don Ihdes, in Marc Weisers Konzept des Ubiquitous Computing als auch in stark popularisierter Form in HCI-Paradigmen wie dem der ‚usability’ verhandelt wird, soll daher auf seine Beschreibungsleistung jenseits der Zwickmühle zwischen subjekt- und technikdeterministischen Ansätzen hin befragt werden. Die Interaktivität von Computerinterfaces kann so in ihrer konstitutiven Ambivalenz zwischen algorithmischer Determination und spielerischer Freiheit des Nutzers diskutiert werden und soll einen möglichen Ansatz zur theoretischen Reflexion von Computerinterfaces liefern.

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Sabine Wirth ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medienwissenschaft der Universität Marburg und promoviert zum Thema „Transformationen des Interface: Zur Medialität des Computers“ bei Dieter Mersch und Jens Ruchatz. Von 2011-2014 war sie assoziiertes Mitglied des DFG-Graduiertenkollegs Sichtbarkeit und Sichtbarmachung – Hybride Formen des Bildwissens an der Universität Potsdam und Promotionsstipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes. Studium der Theater- und Medienwissenschaft, Neueren deutschen Literatur und Philosophie an der Universität Erlangen und der University of Melbourne.

Forschungsschwerpunkte: Mediengeschichte und -theorie des Computers, Interface-Theorie, Social Media, Theorien des digitalen Bildes, Geschichte der Schriftmedien.

Aktuelle Publikation: „To interface (a computer). Aspekte einer Mediengeschichte der Zeigeflächen“ in: Fabian Goppelsröder; Martin Beck (Hg.): Sichtbarkeiten 2: Präsentifizieren. Zeigen zwischen Körper, Bild und Sprache. Berlin: diaphanes, 2014, S.151-166.