From Lightbox to GUI: On the Design of Radiological Diagnostics

Kathrin Friedrich

Die so gennannte analog-digitale Migration hat in der klinisch-diagnostischen Radiologie zu einem grundlegenden Wandel der Befundungspraxis geführt. Seit etwa 10 Jahren werden die Bilddaten aus verschiedenen Bildgebungsmodalitäten nicht mehr unveränderlich auf Folienmaterial ausgedruckt und am Leuchtkasten befundet, sondern interaktiv innerhalb einer graphischen Benutzeroberfläche visualisiert.

Dieser Medienwandel hat insbesondere InteraktionsdesignerInnen herausgefordert, radiologische Szenarien und Personae für entsprechende Softwarelösungen zu konzipieren und zu implementieren. So hat etwa die Zusammenarbeit des Interaktionsdesigners Alan Cooper und seines Teams mit dem internationalen Konzern Agfa Healthcare zur Konzeption des GUI einer Software geführt, die “higher efficiency, productivity and job satisfaction“ für RadiologInnen verspricht. Doch in der klinischen Praxis hat sich gezeigt, dass die vielgestaltigen Möglichkeiten der Software, ihre Personalisierungsoptionen und Tools, den alltäglichen Bedarf um ein Vielfaches übersteigen und so eher zur Verunsicherung der ‚radiologischen Routine’ beitragen. Der Vortrag möchte am Beispiel des GUI der Agfa Software Impax Agility nachzeichnen, welche Überlegungen zu radiologischen Personae und Szenarien in dessen Gestaltung eingegangen sind. Anhand dieser Mikrogeschichte soll verdeutlicht werden, wie die Erweiterung der interaktiven und medialen Möglichkeiten im Zuge der analog-digitalen Migration zur Einschränkung der epistemischen Praxis geführt hat, obwohl deren besondere Bedürfnisse grundlegend für den Gestaltungsprozess waren. Zudem soll so gezeigt werden, wie das Interface nicht allein zwischen ‚human’ und ‚computer’ vermittelt, sondern ebenso ganze Kollektive und ihre jeweiligen Ideen und Praxen miteinander in Verbindung bringt.

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Kathrin Friedrich ist seit Mai 2013 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Basisprojekt Image Guidance des Exzellenzclusters »Bild Wissen Gestaltung« an der Humboldt-Universität Berlin. Zuvor hat sie am Lehrstuhl für Ästhetik der Kunsthochschule für Medien Köln und im BMBF-Verbundprojekt »Verkörperte Information. ’Lebendige’ Algorithmen und zelluläre ‚Maschinen’« gearbeitet. Studium der Medienwissenschaft, Rechtswissenschaften und Soziologie an der Philipps-Universität Marburg.

Publikationen (Auswahl)

• “Achromatic reasoning – On the relation of gray and scale in radiology”, erscheint in Leonardo (doi:10.1162/LEON_a_00898).

• “Automated killing and mediated caring. How image-guided robotic intervention redefines radiosurgical practice”, Proceedings of the 50th Anniversary Convention of the AISB 2014, http://doc.gold.ac.uk/aisb50/AISB50-S17/AISB50-S17-Friedrich-Paper.pdf (mit Moritz Queis-
ner).

• „Hello again!? – Beziehungsweisen digitaler Bildgebung“, In: Claudia Mareis / Christof Windgätter (Hg.): Long Lost Friends. Zu den Wechselbeziehungen zwischen Design-, Medien- und Wissenschaftsforschung. Zürich/Berlin: Diaphanes 2013, S. 77-90.

• “Digital ‚faces‘ of synthetic biology”, Studies in History and Philosophy of Science Part C 44/2013, p. 217-224.

• “‘Sehkollektiv‘- Sight styles in diagnostic computed tomography”, Medicine Studies 2/2010, p. 185-195.